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Wie sichere ich ein Depot mit Optionen ab?

Zunächst der obligatorische Risikohinweis: In diesem Blog werden keine Empfehlungen gegeben und es wird keine Anlageberatung geboten. Jede Verantwortung für entstehende Verluste lehne ich ab. Ich erläutere ausschließlich Produkte, die ich selber nutze. Ich agiere als Privatanlager. Investitionen an der Börse können einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals zur Folge haben.

Ich habe mein Hauptdepot bei CAP-Trader. Die Handelsplattform heißt Traderworkstation (TWS). Wie ich die Absicherung mittels PUT-Optionen praktisch umgesetzt habe, zeige ich anhand von Charts in dieser TWS. Wenn dich die Konditionen von CAP-Trader oder LYNX Broker interessieren, kannst du gern mal hier vorbeischauen und ein DEMO-Konto eröffnen. Brauchst du Hilfe, zögere nicht, mich zu kontaktieren.
Wenn Du kein Marginkonto hast, kannst du sowieso nicht mit Optionen handeln. Wenn du trotzdem nach Möglichkeiten der Absicherung deines Depots sucht, kann du diesen Beitrag lesen

Eigentlich vertrete ich die Auffassung, Korrekturen oder Crashphasen an den Aktienmärkten auszusitzen. Ich lasse mich aber auch von meinen Emotionen leiten und treffe dabei manchmal falsche Entscheidungen. Besonders bei Geldanlagen kann dass gefährlich werden.

Wir haben ein sehr erfolgreiches Jahr 2021 hinter uns. Im neuen Jahr (jetzt Januar 2022) sieht die Situation etwas anders aus. Die Aktienmärkte haben sich von ihren Allzeithochs nach unten entfernt, wobei auf Grund vorrangeganger Wertsteigerungen das Depot insgesamt deutlich weiterhin im Plus liegt.

Bei mir sieht die Entwicklung folgendermaßen aus:

Unternehmen (Auszug)aktueller Kurs zum 52-Wochenhoch
Apple-12,97%
Airbnb-43,27%
Amazon-25,98%
Biontech-66,69%
Berkshire Hathaway-8,20%
Caterpillar-13,99%
Cisco-17,93%
Fielmann-22,73%
Intel-29,84%
Palantir-72,71%
iShares MSCI World-8,28%
 iShares MSCI Emerging Markets-7,97%

Die Großwetterlage wird allgemein wie folgt eingeschätzt: weltweite Inflation, steigende Rohstoffpreise, Ukrainekonflikt (drohender Krieg), Zinsängste besonders in den USA, Lieferengpässe, Chipmangel, Rückgang an den Aktienmärkten, drohende Immobilienblase in China, Chinas Ansprüche gegenüber Taiwan … , ach ja und Corona gibt es auch noch.

In meinem CAP-Traderkonto hatte ich Verluste von mehr als 2.000 USD an einem Tag und am 24.01.2022 rauschte mein Konto mit mehr als 5.000 USD in die Tiefe. Jetzt kommen meine Emotionen ins Spiel, beeinflußt u.a. von allen möglichen Artikeln zum bevorstehenden Crash und so weiter und so fort …

.. und meine Angst noch mehr zu verlieren! Aber dass an diesem Tag der Dow Jones einen Verlust von über 1.000 Punkten und der Nasdaq ein Minus von fast 5 Prozent komplett wieder aufholen und beide Indizes sogar noch im Plus schließen, so etwas kommt extrem selten vor.

Ich hatte also meine Absicherungen gekauft und die liefen anfangs (zw. 16:30 und 17:00 Uhr) mit mehr als 1.700 USD ins Plus (das Depot ins Minus). Prima – habe ich gedacht. Weil der Markt aber bis zum Handelsschluß drehte, verlor meine Absicherung, so dass ich gegen 21:45 Uhr mit 1.400 USD hinten lag (das Minus im Depot hat sich auch reduziert). Schiet!

Im Prinzip bin ich gegen Absicherungen, weil sie nur Geld kosten. Aber ich habe gelesen und mich auch davon leiten lassen, dass Absicherungen bei einer weniger langen Haltedauer (kleiner 10 Jahre) sinnvoll seien. Aus diesem Grund und meiner Angst habe ich mich nun nicht nur theoretisch mit der Absicherung meines Depots beschäftigt, sondern am 24.01.20122 praktisch umgesetzt.

Inhalt

  1. Was sind Optionen?
  2. Was sind Stillhaltergeschäfte?
  3. Absicherung eines Depots mit Optionen?
  4. Praktische Vorgehensweise in der TWS
  5. Resümee/Meine Gedanken

1. Was sind Optionen?

Ein Optionsgeschäft ist eine Vereinbarung:

  • zwischen zwei Parteien (dem Käufer und dem Verkäufer, der auch Stillhalter genannt wird),
  • über eine bestimmte Menge eines besrtimmten Wirtschaftsgutes (Basiswert oder underlying genannt – z.B. eine Aktie, ein ETF, ein Rohstoff)
  •  bis zu einem festgelgten Termin in der Zukunft (Verfallstag oder expiration day)
  • zu einem im voraus fixierten Preis (Basispreis oder strike)
  • zu kaufen (Kaufoption) oder zu verkaufen (Verkaufsoption)
  • Für dieses Recht zahlt der Käufer dem Verkäufer eine Prämie (Optionsprämie, -preis)
Während man ETFs, Zertifikate und Optionsscheine ganz einfach wie Aktien über die Börse kaufen kann (Kassamarkt), werden Optionen am Terminmarkt gehandelt.
 
Kassageschäft heißt Kauf oder Verkauf per heute, z.B. du kaufst im Supermarkt ein, dann tätigst du ein Kassageschäft.
 
Anders verhält es sich am Terminmarkt. Da schließt du das Geschäft zwar heute ab, aber gezahlt und geliefert wird es später. Dabei gibt es zwei verschiedene Arten, die bedingten und die unbedingten Termingeschäfte, wie bei Optionen.
 
Der Käufer einer Option hat das Recht aber nicht die Pflicht, den Gegenstand (z.B. Aktie) zu verkaufen oder zu kaufen. Für dieses Recht zahlt der Käufer der Option dem Verkäufer (auch Stillhalter) einer Optionsprämie. Der Verkäufer hat keine Rechte sondern Pflichten, er ist verpflichtet den Gegenstand zu liefern oder abzunehmen.
 
 
2. Was sind Stillhaltergeschäfte?
 
 
Als Stillhalter verkaufst du Optionen. Dafür bekommst du vom Käufer eine Prämie. Das ist die Strategie, die ich bisher ausschließlich genutzt und mir somit Prämieneinnahmen bzw. cash flow aufgebaut habe.
 
 
3. Absicherung eines Depots mittels Optionen
 
Die Absicherung eines Depots auch Hedge genannt kann durch verschiedene Strategien erfolgen. Ich habe die Long-Put-Strategie verwendet. Viele andere Möglichkeiten findest du in folgendem Buch, das ich gerade per Post bekam aber noch nicht vollständig lesen konnte. Eric Ludwig ist ein seriöser Profi, den ich gern empfehlen kann.
 
 

In seinem o.g. Buch schreibt er: „Ein Protective Put lässt sich einfach aufbauen, indem wir typischerweise je 100 gehaltenen Aktien 1 Putkontrakt auf diese Aktien kaufen. Der Put allein, also ohne die Aktien im Depot, wäre ein Long Put, der Spekulations- und keinen Hedging-Zwecken dient.“ Somit schloss ich ein Spekulationsgeschäft, weil ich einen Long-Put auf den S&P 500 Index gekauft habe, also den ETF SPY und einen Long-Put auf den Nasdaq 100 Index, den passenden ETF QQQ, obwohl ich beide ETF´s nicht besitze. Ich entschloss mich dazu, weil mein Depot vorwiegend in US-Werte investiert und einige Technologiewerte ebenfalls dabei sind, die gerade jetzt besonders viel verlieren.

Der PUT kann am Geld, aus dem Geld oder im Geld gewählt werden. Auf eine ausführliche Erklärung verzichte ich an dieser Stelle, weil das nicht Gegenstand der Betrachtung ist.

Ich erläutere die praktischen Schritte nicht an meinem konkreten Beispiel, sondern mit den Daten zwei Tage später, als ich diesen Beitrag schrieb. Die Zahlen weichen deshalb etwas von einander ab.

Meine Käufe sehen wie folgt aus:

Der S&P 500 wird durch den ETF SPY repräsentiert. Der Kurs lag etwas über 430 USD, d.h. ich habe den PUT am Geld gekauft. Damit komme ich bei fallenden Kursen (wovon ich ja ausgehe) schnell in die Gewinnzone. Der Kurs des Basiswertes SPY beträgt 23,35 USD. Da ein Kontrakt sich auf 100 ETF-Anteile bezieht, entstehen mir Kosten von 100 mal 23,35 USD = 2.335 USD plus 3 USD Gebühren. Weil ich so nah am Geld bin, setze ich das Prinzip einer Vollkasko-Versicherung um. Eine Alternative wäre Absicherung mit Teilkasko. Hier trage ich einen bestimmten Verlust (sagen wir 10 %) selber und dann erst greift die Versicherung (Teilkasko). Die Absicherung gilt bis zum 20. Mai 2022. Wenn der Kurs des S&P 500 fällt, gewinne ich – steigt er und am 20.5.22 mein PUT verfällt wertlos, habe ich einen Verlust von 2.338 USD (eben den Kosten der Absicherung) plus die dementsprechende Wertsteigerung im Depot. Dieses Zusammenspiel zwischen Entwicklung des Depots und Entwicklung der Absicherung wird nicht gezeigt.

4. Praktische Vorgehensweise in der Traderworkstation (TWS)

Am 27.01.22 betrug der Geldkurs des SPY 438,18 USD. Ich habe eine Put-Option auf den SPY mit Basispreis 437 USD und Laufzeit bis 20.05.2022 erworben. Der Kurs beträgt 21,88 USD.

 

Hier hast du die entsprechende Ordervorschau: Limitkurs 22,20 USD, Kosten einschl. Gebühren 2.215 USD. Als Sicherheit muss ich 1.664 USD hinterlegen.

Zur Orientierung kannst du am Performance-Graph ablesen, wie sich dein Investment in Abhängigkeit der Entwicklung des SPY bewegt.

Aktuell steht der Kurs des Basiwertes bei 438,86USD, fällt der Basiswert um 20 % kannst du einen Gewinn von 6.616,96 USD realisieren – wohingegen ein maximaler Verlust von 2.167 USD eintritt, wenn der Kurs um mehr als 30 % steigt.

5. Resümee/Meine Gedanken

Langfristig steigen die Kurse von Aktien bzw. Aktien-ETFs. Doch kurzfristig können sie auch jederzeit fallen. Da stellt sich die Frage, ob und wie Privatanleger ihr Depot dagegen absichern können?

Die beste Depotabsicherung gegen fallende Kurse ist ein langfristiger Anlagehorizont.

Wenn du noch über 10, 20 oder 30 Jahre Vermögen aufbauen wirst, brauchst du dir über eine Depotabsicherung keine Gedanken zu machen.

So sind in den letzten 150 Jahren die Aktienkurse inflationsbereinigt im Durchschnitt  um rund 7 Prozent pro Jahr gestiegen.

Dann sitzt du vorübergehende Kurseinbrüche einfach aus.

Deine Depotabsicherung kostet extra und das Geld kannst du dir in diesem Fall bedenkenlos sparen.

Wenn du dagegen in absehbarer Zeit über dein Geld oder einen Teil davon verfügen möchtest, solltest du dir Gedanken darüber machen, wie du eine Depotabsicherung vornehmen kannst. Oder besser, du veränderst deine Asset-Allocation, indem du schrittweise deinen Cashanteil zulasten deines risikoreichen Depotanteils (deine Aktien und ETF´s) erhöhst. „Im Alter“ reicht es aus, soviel Rendite zu erwirtschaften, dass die Inflation ausgeglichen wird, indem du die Kaufktraft deines Vermögens erhältst.

Wenn du dir eine Absicherung (Versicherung) kaufst, kannst du eine Vollkasko- oder Teilkaskoversicherung eingehen. Bei einer Vollkasko kaufst du am Geld (am aktuellen Kurs) eine Option und bei der Teilkasko kaufst du weiter weg, weil du bereit bist z.B. 10% oder 20 % Kursrutsch zu akzeptieren. Deshalb ist diese Absicherung auch preiswerter.

Absicherung nah am Geld (Vollkasko): Preis bei SPY 23,35 USD

Absicherung weiter weg (Teilkasko): Preis bei SPY 9,53 USD

Aktuell stehen meine Absicherungen (Long Puts) bei – Stand: 28.01.22 im Plus, ABER:

Seit Kauf, ging es täglich richtig bergauf , berab, bergauf …. und meine Emotionen ebenso.

Die Absicherungen laufen ja mindestens 3 Monate. Was in dieser Zeit alles passiert, weiß ich nicht. Ich kann aber jederzeit meine Versicherungen verkaufen. Also: Absicherungen kosten Geld. Rücksetzer oder Crashs bieten allerdings auch die Möglichkeit, sich Aktien zu kaufen, die bisher zu „teuer“ waren. Überlege gut, wie du es machen willst und lasse dich nach Möglichkeit nicht von deinen Emotionen leiten!

Wie viel Kontrakte musst du kaufen, um das Depot abzusichern?

Nehmen wir an deine Depotgröße beträgt 150.000 USD. Ein Kontrakt umfasst 100 Anteile. Das bedeutet ein Kontrakt mit Basispreis 437 kostet dich das 100 mal 23,35 USD = 2.335 USD. Diese 2.335 USD sind deine Kosten für die Versicherung (Vollkostenversicherung) bis 20.Mai 2022. Wenn der Markt einbricht, begrenzen diese Put-Optionen deine Verluste. Du kannst bei dem aktuellen Beispiel also max. 2.335 USD verlieren. Mein Recht den Kontrakt mit Basispreis 437 USD zu verkaufen bedeutet, dass ich 100 * 437 USD = 43.700 USD abgesichert habe. Und wenn der Kurs unter 437 sinkt, mache ich natürlich von meinem Recht, zu verkaufen Gebrauch. Sollte der Kurs nicht fallen oder steigen, dann  nehme ich natürlich die Wertsteigerung im Depot gern mit (genau Wertsteigerung abzgl. 2.335 USD).

Daraus leitet sich folgende Formel zur Berechnung der Anzahl der Put-Optionen ab, die ich kaufen muss: Depotwert / (Basispreis *100) = Stückzahl Put-Optionen

Bsp.:  150.000 USD / (435 *100) = 3,45 Stück

Dann würde ich 3 Put-Optionen kaufen und würde damit 139.500 USD absichern, das sind 87 % des aktullen Depots.

Ich werde mich jetzt weiter mit dem Thema beschäftigen idem ich das oben erwähnte Buch oben von Eric Ludwig studiere. Wenn du mit mir in Austausch treten willst, würde ich mich sehr freuen. Sende dazu einfach eine E-Mail an mich.

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